#10years: Philipp

Zum Jahresaustausch in Mexiko

Hosted by D 4185, Rotary Club Veracruz, Mexiko
Heute arbeitet Philipp in Berlin als Personaler bei einem der größten deutschen Arbeitgeber.

Wo sehen Sie sich in 10 Jahren?

Eine klassische Frage im Vorstellungsgespräch, die ich vor meinem Austausch ganz anders beantwortet hätte als hinterher. Aber nicht nur im Austausch, auch in den Jahren danach hat sich noch so viel verändert - ich korrigiere: ich habe mich verändert. Dass ich heute als Personaler in Berlin bei in einem der größten deutschen Arbeitgeber Mitarbeiter und Führungskräfte bis hin zum Vorstand betreue und berate, hätte ich nicht gedacht.

Ich war vor über 10 Jahren für ein Jahr mit Rotary in Veracruz an der Golfküste Mexikos. In dem Jahr bin ich selbstständiger und selbstbewusster geworden, habe Spanisch gelernt und auch mein Englisch verbessert. Ich habe die Scheu verloren, einfach mal drauf los zu plappern, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob die Grammatik 100%-ig richtig ist oder die Vokabel nicht eigentlich Französisch war. Ich habe Freunde gefunden, mit denen ich tolle Stunden, Tage und Monate verbinde - mit manchen habe ich heute nichts mehr zu tun, aber andere sehe ich auch heute noch regelmäßig. Bestes Beispiel ist meine beste Freundin aus dem Austausch, die jetzt schon seit über sieben Jahren auf jeder Familienfeier dabei ist - als Freundin meines Bruders.

Zurück im "alten Leben" wollte ich, so wie viele ehemalige Austauschschüler, über das Erlebte reden, die Geschichten aus dem Jahr wieder und wieder erzählen, und damit gedanklich meinen Austausch noch irgendwie ein wenig verlängern. Die Chance hatte ich bei Rotex, wo ich mich nach meinem Austausch engagiert habe und Austauschschüler durch ihren Austausch in Deutschland begleitet oder deutsche Schüler auf ihren Austausch vorbereitet habe. Hier hatte ich auch die Chance etwas zurückzugeben von dem, was Rotary mir ermöglicht hat. Ganz nebenbei habe ich dabei gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Ich habe Wochenenden für 60 bis 120 Austauschschüler organisiert und Austauschschüler quer durch Europa geführt. Und glaubt mir, eine solche Veranstaltung oder Tour am Ende gut über die Bühne gebracht und tolles Feedback von den Austauschschülern bekommen zu haben, ist ein überwältigendes Gefühl und für das Selbstbewusstsein besser als jede Eins auf dem Zeugnis.

In der Zeit bei Rotex habe ich viele meiner heutigen Freunde kennenlernt - aus Deutschland, aber auch quer verteilt über den Globus. "Deine besseren Freunde" haben meine Kollegen aus der Schule gesagt. Und irgendwie hatten sie recht. Die Freundschaften aus der Zeit haben überdauert, auch wenn es viele in alle Himmelsrichtungen verweht hat (außer eine, die sich das Klingelschild mit mir teilt und seit mehreren Jahren an meiner Seite ist). Aber was sind schon 5 Stunden Zugfahrt bis Düsseldorf-Bilk oder 6 Stunden bis Papenburg (Ems) für ein Wochenende mit wirklich guten Freunden? Meine Schulfreunde sehe ich eigentlich nur noch einmal im Jahr, am Abend vor dem 24. Dezember, wenn alle in der Heimat sind.

Rückblickend haben mich die gut acht Jahre bei Rotex vielleicht sogar noch mehr geprägt als das eigentliche Austauschjahr. Diese Zeit möchte ich daher ebensowenig missen wie den Austausch selbst. Meine Verbindung zu Rotary ist übrigens auch nie abgerissen: Nach der Zeit bei Rotex bin ich vor gut zwei Jahren als Rotarier im Rotary E-Club of 1850 aufgenommen worden. Und wo sehe ich mich heute in 10 Jahren? Ganz ehrlich: Wahrscheinlich läge meine Antwort wieder völlig daneben...

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